Tamakawa Sencha Shizuoka: Japan-Besuch, Frühjahr 2010

 

Die Teeanbaugebiete in Shizuoka sind nicht nur landschaftlich wunderschön, sondern natürlich auch die Heimat unzähliger Spitzentees. Dazu zählt auch unser Sencha Tamakawa.

Kennern japanischer Tees ist natürlich bekannt, dass die große Kunst, einen Spitzentee herzustellen, im Komponieren verschiedener Tees und dem „Finishing-Process“, also dem letzendlichen Sortieren und Rösten des Tee liegt. Rösten meint in diesem Fall den Vorgang, bei dem der Tee durch unterschiedliche Trocknungsverfahren sein endgültiges Aroma erhält.

Der Sencha Tamakawa ist eine Mischung aus einem Futsumushi-Cha, einem normalbedampften Tee und einem Fukamushi-Cha, einem tiefbedampften Tee. Der tiefbedampfte Tee stammt von Teebauern in der Miwa/Matsuno-Gegend.

Die Begriffe „tiefbedampft“ und „normalbedampft“ tauchen immer wieder in unseren Teebeschreibungen auf, weshalb ich diese hier einmal kurz erklären möchte. Der erste wichtige Schritt nach dem Pflücken ist, dafür zu sorgen, dass der Tee grün bleibt. Würde man die Blätter einfach liegen lassen, dann würde mit dem Teeblatt das passieren, was auch mit Blättern geschieht, die von den Bäumen fallen — sie welken und werden braun. Diesen natürlichen Vorgang der Fermentation und Oxidation kann man verhindern, indem man das Blatt erhitzt. Dies geschieht in Japan durch kurzes Dämpfen.

Futsumushi oder Asamushi bezeichnet die übliche Dämpfzeit beim grünen Tee, welche bei etwa 30 Sekunden liegt.
Fukamushi bezeichnet einen längeren (tieferen) Dämpfprozess — etwa 90 bis 120 Sekunden.

Es gibt keine absoluten Werte, nach denen nun immer sekundengenau bei jedem Dämpfen in gleicher Weise vorgegangen werden müsste. Der Teemacher richtet sich nach den vorgefundenen Bedingungen, im wesentlichen also nach dem Zustand des Blattes, das von den Feldern kommt.

Eine Bezeichnung, die sich recht selten findet, ist Chumushi, was eine Stufe zwischen dem normalbedampften und dem tiefbedampften Tee bezeichnet, bei dem der Tee etwa 60 Sekunden bedämpft wurde. Zwar findet man den Begriff Chumushi nicht so häufig, es kommt aber durchaus häufig vor, dass Teeblätter entsprechend bedampft werden.

In Japan konnte ich die Ernte auf den Matsuno-Feldern und die Verarbeitung in der Tamakawa-Fabrik erleben.

Die Matsuno-Teebauern, unter Leitung von Herrn Hiraoka, sind begeistert dabei, die feinsten Teequalitäten zu erzeugen. Nicht zuletzt deshalb werden Sie immer wieder erfolgreich zu den lokalen und nationalen Teewettbewerben entsandt.

Unter der Leitung von Herrn Hiraoka entsteht nicht nur der Tamakawa Sencha, sondern auch die Sorten Oku-Hikari und „Best Friend“ (Okumidori). Für diese beiden Tees werden spezielle Pflanzenvarietäten eingesetzt, eben Oku-hikari, was soviel wie „tiefes Licht“ bedeutet, sowie Okumidori, was „tiefes Grün“ bedeutet.

Stefan Kolodziej